Tag 7 … cruisen in Kappadokien

Vorgeschmack auf die Siegprämie ... meilenweit für ein Kamel

Nach einer kalten, aber Gott sei Dank trockenen Nacht (dass erste mal seit Novi Sad hat es nicht geregnet, Tagestemperaturen selbst mitten in der Türkei um die 10 Grad), gab es endlich die ersehnten Neuigkeiten über den weiteren weiteren Verlauf der Rallye. Kurzum, wir werden mit der Fähre nach Zypern und anschliessend über Israel nach Jordanien weiter reisen.
Wir finden das super, auch wenn unser Team dafür fast 2000.-€ zusätzlich hinblättern musste (wir sparen dafür ja Sprit und Übernachtungen, aber insgesamt tat’s echt nochmal weh).
Grossartig ist, dass mit Ausnahme von zwei Teams alle mitgezogen haben. Nur so war die Fähre überhaupt zu bezahlen. Unschön, dass bei einigen wohl die Nerven blank liegen. Was kann die Rallye für die beknackte syrische Regierung? An dieser Stelle ein ganz ernst gemeintes Lob für das OK der Rallye. Was ihr für uns macht ist super! Lasst euch nicht ärgern!
Danach hat an Ort und Stelle das versprochene Treffen mit einem türkischen Minister stattgefunden. Als Aufgabe pro Team war ein Grußschreiben unserer Heimatstadt nebst stadttypischen Geschenk zu übergeben (danke Sindelfingen, Stuttgart hat nicht mal reagiert).
Wir durften ein Mercedes-Modell als Geschenk der Stadt Sindelfingen. Kurz vor der Übergabe hat der Minister sein Bad in der Menge abgebrochen; 111 Teams sind vielleicht doch zuviel.
Der liebe Herr Minister – zuständig für Europafragen – hat eine wirklich nette Rede gehalten. Er hat sehr viel Werbung für das Ansinnen seines Heimatlands gemacht, Mitglied der EU zu werden. Dafür hat er uns gebeten, Botschafter zu sein vor allem gegen Misverständnisse und Vorurteile. Wir wollen keine Politik machen, aber was wir als Gast der Türkei bisher erleben durften, ist aussergewöhnlich. Nebst Fahrerlager in Sultan Ahmet in Istanbul, kostenloser Benutzung der Fähre, Fahrerlagern, Polizeiabsperrungen, und und und hat die Türkei sich mit 200.000.- an den Fährkosten beteiligt. Ganz zu schweigen davon, dass uns die Polizei Räuberleiter machen wollte beim illegalen überqueren eines Zauns zum Fahrerlager 🙂
Türkei, ihr seid klasse!
[Schlussendlich haben wir uns nach der Rede dann trotzdem noch an der Security vorbeigekämpft. Aufgabe ist Aufgabe.

Aufstellung zum Le Mans Start


Dann hat das gesamte Starterfeld einen Le Mans Start hingelegt. Beeindruckend. Unnötig zu erwähnen, dass Dora 3 beim Start ausgesetzt hat – genau wir unsere Herzen. Am ende war’s ein Bedienfehler, die neue Verkabelung ist nicht so ohne.
Nach eignisarmer Fahrt – auf der wir das erste Mal seit Rallyebeginn wirklich vielen Teams begegnet sind – sind wir in Kappadokien angekommen. Weltnatur- und Weltkulturerbe. Unglaublich, wenn man es nicht mit eigenen Augen sehen kann. Wir sind schwer beeindruckt. In Göreme (googelt mal die Bilder) haben wir unser – für ein Sechsbettzimmer wirklich tolles – Nachtlager aufgechlagen. Wie viele andere Teams auch. Jetzt gehen wir noch auf ein Bier. Mal sehen wen wir treffen. Von Kappadokien berichten wir morgen.

Zu guter letzt: Die Statistik haben wir inzwischen aufgegeben, trotzdem ein kurzes Fazit: die Länder, die wir besuchen durften sind wunderschön, die Menschen toll; wir haben fürstlich gespeist und königlich gefeiert.
Wir hoffen ehrlich, es kann so weiter gehen.

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Tag 6 … eine kurze Geschichte von fast allem

Eigentlich hatten wir uns alle vorgestellt, daß das Abenteuer ab Asien beginnt; andere Kultur, anderer Verkehr, andere Strassen.
Tatsächlich hat der Tag unspektakulär begonnen. Wir haben per Fähre erneut auf die
asiatische Seite Instanbuls übergesetzt, unsere Autos sofort gefunden und uns – unglaublich aber wahr – ohne größere Verfahrer direkt auf die – im übrigen sehr gute – Strasse nach Ankara begeben.
Bis dahin völlig unspektakulär, doch dann haben unsere Doras gekocht. Nicht die Kühler, sondern die Krümmer. Und zwar eine Dose Ravioli pro Fahrzeug. Der Funkverkehr hat sich dann auch dramatisch verändert. Statt Tankstopps und Wegbesprechungen gab’s Mitteilungen wie „im Auto riecht’s nach Tomate“ und „ich hatte vorher so ein komisches Geräusch, die sind fertig“. Insgesamt hat’s gut geklappt, die Kochzeit kann man optimieren. Aber wir haben ja noch drei Dosen Linsen zum üben….
Wenn unsere Süssen jetzt noch Kaffee kochen könnten …

In Ankara sind wir gesättigt angekommen. Aufgabe: auf die Burg, Teetrinken, Foto und Stempel mit der Chefin der Burggastronomie und gut. Dachten wir. Unterwegs hat uns Team 19 gebeten, den Autodoktoren (der Sender VOX begleitet für seine Sendung die Rallye) Bescheid zu geben, dass ihre Wasserpumpe nicht mehr geht. Wir haben die Nachricht brav überbracht. Anstatt zu helfen haben sie dann gefühlt einen Monumentalfilm über die Überbringung der Botschaft
gedreht. Wir haben folgendes gelernt: a) drehe nie den Rücken in die Kamera und b) die Autodoktoren sind Panne! Dafür ist Team 55 vielleicht bald im Fernsehen 🙂

Hippodrom in Ankara


Danach war das gesamte Classement zu Gast auf dem Hippodrom in Ankara. Alle Teams waren da, wir haben gegrillt, Freunde getroffen und viel Spass gehabt. Beinahe …..
Direkt nach dem Einparken in Schlafposition hat das Zündschloss von Dora 3 seinen Geist aufgegeben. Mit eingerastetem Lenkradschloss. Endgültig. Was mit einem Anruf „Bringt noch ein Paar Sixpacks mit für die Typen, die beim Reparieren von Dora 3 helfen, hat sich als Operation am offenen Herzen herausgestellt. Falls man mit einer Wasserpumpenzange und roher Gewalt operiert. Nach drei Stunden harter und unglaublicher Arbeit beim Schein einer Taschenlampe hatten wir zwar kein Armaturenbrett und keine Mittelkonsolenverkleidung mehr, dafür war Dora neu verkabelt. Gestartet wird Dora jetzt mit zwei Bananensteckern … wie im Film.
Team 17, Ihr seid unsere Helden, ganz im Ernst, wir hatten die Karre abgeschrieben. Wir lieben euch. Danke!!!!!

Grillabend im Fahrerlager

Danach konnten wir doch noch feiern, mit unseren Schweizer Freunden von Team 3, den Sandblechsurfern, und all den anderen durstigen Menschen.
Erwähnenswert auch noch die nächtliche Begrüßung „Hallo, wie geht’s, wir haben einen Achsbruch. Habt ihr ne 10er Gewindestange?“. Kurz vorher dachten wir es wäre ein Problem, keinen Grillanzünder zu haben 😉

Tag 5 …. Yaşa Fenerbahçe

In Summe hatten wir gestern endlich mal den ersehnten ruhigen Tag. Entsprechend haben wir es locker angegangen.
Unser Parc Ferme war tatsaechlich wie versprochen auf dem Hippodrom, einem Platz zwischen Hagia Sophia und Blauer Moschee. Fast das ganze Classement stand auf einem Platz vor beeindruckender Kulisse. Das hat wirklich Rennsportatmosphere verbreitet.
Sogar der Gouverneur von Istanbul nebst anderen offızıellen Vertretern hat sich die Ehre gegeben. Entsprechend war das Medienteresse wirklich enorm. Wir haben einige Kamerteams ausgemacht, darunter auch ein deutsches.
Besonderen Anklang beim türkischen Fernsehen hat unser Motorhauben-Sponsor Hot Mamas gefunden, oder vielmehr sein Logo. Gar keinen Anklang dagegen fand unsere Idee, einem Offiziellen von Fenerbahçe eine Hot Mamas-Sauce zum Fussballwimpel zu schenken (Teil einer Tagesaufgabe, gestern berichtet). Der Wachmann am Stadioneingang hat sie uns jedenfalls abgenommen. Entweder hat er es – korrekter Weise – als echten Knaller deklariert, oder es lag ebenfalls am Logo. Möge es zweimal brennen!
(Übrigens hab ıch gerade das Ö auf der Tastatur entdeckt. Allah sei gepriesen!)
Ausserdem haben wir ein Novum im Motorsport eingeführt. Beim Le Mans-Start an der Blauen Moschee haben wir unterwegs unseren Kaeptn verloren. Aber der ıst ja nicht auf den Kopf gefallen und ist die erste Rennetappe zur Bosporus-Faehre einfach bei einem anderem Team mitgetrampt. Peinlich nur, dass er so vor uns angekommen ist 🙂
Damit ıst der Europaeische Teil der Rallye offiziell beendet. Asien, wir kommen!
Naechstes Ziel war das Stadion von Fenerbahçe. Eigentlich haetten wir dort einem offiziellen Vetreter des Clubs die von uns mühsam eınstudierte Fanhymne vortragen sollen. Das ist leider ausgefallen, da ausserplanmaessig ein Spiel ‚Türkische Allstars‘ gegen ‚Formel 1‘ veranstaltet wurde. Gesehen haben wir dann einen lahmen Kick zwischen irgend welchen Rentnern gegen vermutlich irgend welche Mechaniker. Gekannt haben wir jedenfalls niemanden.
Nach dem Spiel haben wir uns dann auch prompt mal im asiatischen Teil Istanbuls verfahren. Darin haben wir ja Übung. Trotzdem haben wir es noch auf die letzte Faehre geschafft.
Den Abend haben wir in gemütlicher Runde in einem netten kleinen Lokal beendet. Dort durften wir unseren Fansong doch noch vorbringen, mit Inbrunst, für unseren neuen Freund Emre. Das hat uns auch wirklich grossen Beifall eingebracht, des Nachts um zwei.
Istanbul ist wirklich eine sensatıonelle Stadt. Besucht es!
Fuer heute steht Ankara auf dem Programm. Und dort muessen wir gleich am abend noch Aufgaben loesen. Also druecken wir nach dem Fruehstueck gleich wieder auf das Pedal. Vorausgesetzt wir finden unsere Autos, die stehen naemlich irgendwo in Asien.

Tag 5 … İstanbul, Regen, die Frisur sitzt

Heute gab es Gelegenheit, mal wieder richtig auszuschlafen. Das haben wir auch genutzt. Na ja, die meisten. Oder wenigstens ein paar 🙂 Heute waere sowieso ein Tag fuer das Bett: stroemender Regen. Aber trotz des schlechten Wetters werden wir uns heldenhaft unseren Aufgaben stellen, die da waeren:

  • ueberredet einen gebuertigen und in der Tuerkei wohnhaften Tuerken zum trinken einer aus dem Allgaeu mitgebrachten Flasche Bier und schreibt eine Postkarte an die Brauerei
  • Ueberlebt den heutigen Le Mans Start auf dem Hippodrom und setzt im Berufsverkehr mit der Faehre ueber den Bosporus
  • lasst euch von einem freundlichen Fan das Fehnerbaçe Lied beibringen. Fahrt ins Stadion, ueberreicht einem Offiziellen des Clubs einen mitgebrachten Wimpel (Stuttgarter Kickers :)) und singt vor laufender Fersehkamera das Lied. Danke liebes OK!

Leider bleibt uns wenig bis gar keine Zeit, uns die Stadt anzuschauen, den morgen frueh geht es nach Ankara …. wir berichten.

Tag 4 … die Irrfahrt geht weiter

Der Tag hat wunderbar begonnen. Mit bulgarischen Strafzetteln. Fuer abgelaufene Parkuhren. Dafuer haben wir endlich unsere Postkarte abgesetzt, auf der wir eine vorgegebene arabische Adresse draufmalen muessen … mal sehen, wo die ankommt und wen wir da – selbstredend ungewollt – beleidigt haben.
Die Fahrt war wieder lang, aber traumhaft, und hat uns durch einen bulgarischen Nationalpark und ueber viele Landstrassenkilometer nach Griechenland gefuehrt (die bulgarisch-tuerkische Grenze haben wir nicht gefunden). Dort haben wir zuerst unsere Freunde vom schweizer Team getroffen (die sich vor lauter Wiedersehensfreude gleich am Bordstein einen Platten gefahren haben), dann noch ein weiteres Team. So langsam kommt das Feld wieder zusammen.
Im uebrigen kriege ich dank der tuerkischen Tastatur ein Gefuehl dafuer, wie viele i in der deutschen Sprache stecken – die Taste ist anders belegt – und demnaechst einen Nervenzusammenbruch deswegen.
Von Umlauten habe ich mich gedanklich sowieso schon verabschiedet.
Das wichtigste am Schluss: Autos und Fahrer sind wohlauf.

Tag 3 … klapski drosselvic oder so aehnlich

Fuer heute hatten wir uns eher einen lockeren Tag ausgemalt, mit der bisher kuerzesten Strecke. Dabei haben wir folgendes festgestellt: Entfernungskilometer sind ungleich Streckenkilometer. Oder konkret: 470 geplante Kilometer entsprechen mehr als 600 echten….
Entsprechend erwarten wir den Gewinn der Sonderwertung „laengste Abkuerzungen“ 🙂
Zweiter Erkenntnisgewinn: gelegentliches Duschen foerdert das Raumklima, speziell in den Fahrzeugen. Aber mit den bisher ersparten Uebernachtungskosten koennen wir bald mal echte Zimmer mieten 🙂
Als Tagesaufgabe mussten wir heute in der Werkstatt unseres Vertrauens die Uebersetzung fuer Drosselklappe in der Landessprache herausfinden (in unserem Fall:serbisch) Unser spontaner Tipp – klapski drosselvic – hat sich am Ende als gar nicht so falsch herausgestellt. Check 🙂
Heute morgen haben wir auch das erste mal wieder Teams der Rallye gesehen und getroffen. Insgesamt scheinen wir gar nicht schlecht zu liegen, wenigstens morgens 🙂
Tatsaechlich hatten wir heute auch unsere erste Polizeikontrolle. Aber wir haben uns fleissig an den Ehrenkodex der Rallye gehalten – nicht erwischen lassen. Insgesamt sind wir sehr brav.
Autos und Team sind weiter wohlauf, Ausser einer leeren Keksverpackung zur Reparatur des Soundsystems von Dora 3 (erfolgreich) haben wir noch keine Ersatzteile gebraucht.
Und wie geht’s weiter?Aufgrund unsere bisherigen Erfahrungen haben wir uns fuer morgen erst einmal vorgenommen, uns fuer drei Stunden zu verfahren. Ist nicht unbedingt zielfuehrend, hat sich aber unbedingt bewaehrt.
Naehster Halt: Istanbul! Wir berichten.

Und, ach ja: vielen Dank fuer eure netten Kommentare und Nachrichten. Wir lesen das. Leider ist unsere online-Praesenz rar, deshalb sorry, wir antworten selten

Tag 2 …. Nachtrag

Sodele, wir waren lange genug wach um unsere bosnischen Mitbewohnerinnen noch kennenlernen zu duerfen – so sieht also Begeisterung aus? Wir muessen dringend unser Wertesystem ueberdenken.
Vergessen haben wir auch, ein bisschen was ueber die Strecke zu erzaehlen. In Kuerze: traumhaft. Nicht ganz so wie die Alpen, aber auf jeden Fall anspruchsvoll. Wir hatten enorm Spass.
Und noch eine Kurze Korrektur der Zahlen: 770 km in 16 Stunden …. und immer noch kein bisschen muede …. noch 🙂